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Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses hat schwerwiegende Auswirkungen auf Betroffene und deren Familien. In vielen Fällen kann das Kündigungsschutzgesetz vor sozial ungerechtfertigten Kündigungen schützen. Die Kündigung seitens des Arbeitgebers ist demnach nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Ob diese Voraussetzungen eingehalten wurden und das Kündigungsschutzgesetz in Ihrem Fall greift ist rechtlich zu prüfen. Zudem ist zu klären, ob Sie eine (möglichst hohe) Abfindung der Weiterbeschäftigung vorziehen. Dies sind Entscheidungen, die von Ihrer ganz individuellen Ausgangslage her zu beurteilen sind. Um hier die bestmögliche Lösung für Sie zu finden bedarf es einer genauen Analyse. Möglichst von einem Fachanwalt, der Ihnen bei allen weiteren Schritten rechtlich zur Seite steht und Ihre Interessen vor Gericht oder in Verhandlung mit dem Arbeitgeber durchsetzt.

Kündigung erhalten? Diese Checkliste sagt was zu tun ist:

  • Informieren Sie den Betriebsrat und melden Sie sich bei der Agentur für Arbeit. Bewerben Sie sich jetzt bereits auf Stellenangebote. Zur Stellensuche können Sie die Freistellung von Ihrem Arbeitgeber einfordern.
  • Unterschreiben Sie nichts! Weder die Kündigung noch evtl. Vereinbarungen. Überprüfen Sie ganz genau, ob Sie mit Ihrer Unterschrift erreichen, was Sie erreichen wollen. Lassen Sie alle Schriftstücke auf Formfehler prüfen und weisen Sie diese gegebenenfalls sofort zurück.
  • Stehen Sie mit Ihrer Arbeitskraft dem Arbeitgeber weiterhin zur Verfügung. Verweigern Sie die Arbeit nicht und lassen Sie sich auch hierzu beraten, welche Arbeiten zumutbar sind. Wenn möglich suchen Sie das Gespräch mit Vorgesetzten und fordern Sie ein Zwischenzeugnis an.
  • Halten Sie sich an die Fristen! Falls Sie eine Kündigungsschutzklage anstreben, haben Sie dafür genau drei Wochen zeit. Spätestens drei Wochen nachdem Sie Ihre Kündigung erhalten haben muss die Kündigungsschutzklage eingereicht sein.

 

Kündigung unwirksam? Mit dieser Checkliste finden Sie Formfehler

  • Wurde die Kündigungsfrist eingehalten? Achten Sie dabei nicht nur auf ihren Arbeitsvertrag, sondern auch auf evtl. gültige Tarifverträge und auf allgemeine Gesetze, insbesondere § 622 BGB.
  • Wie haben Sie von der Kündigung erfahren? Wurde die Kündigung nur mündlich ausgesprochene, ist sie unwirksam. Die Kündigung bedarf der Schriftform!
  • Hat der Betrieb einen Betriebsrat? Falls ja, muss dieser bei jeder Kündigung angehört werden.  Bei Nichtanhörung ist die Kündigung unwirksam.
  • Hat auch der richtige Arbeitgeber unterschrieben? Insbesondere bei Firmennetzwerken ist darauf zu achten und ggf. gegen alle Firmen Klage zu erheben.
  • Hat der Unterzeichner wirklich eine Vollmacht für Kündigungen? Wenn nicht der Geschäftsführer, der Prokurist oder Personalleiter selbst unterschrieben hat muss eine entsprechende Vollmacht der  Kündigung beigelegt sein.
  • Wurde die Kündigung handschriftlich unterschrieben? Eingescannten Unterschriften oder Namenskürzel  sind unwirksam.

 

Ab wann läuft die Kündigungsfrist? Mit dieser Checkliste ermitteln Sie die Kündigungsfrist

  • Das Datum auf dem Kündigungschreiben ist nicht entscheidend.
  • Die Kündigigungsfrist beginnt frühestens mit dem  Zugang des Kündigungschreibens.
  • Die Beweislast für die Zustellung der Kündigung trägt der Arbeitgeber.
  • Wird das Kündigungschreiben zu einer späteren Tageszeit in den Hausbriefkasten eingeworfen, kann evtl. eine Leerung nicht mehr erwartet werden. Daher ist gilt Kündigung erst am Folgetag als zugestellt.
  • Vorsicht, auch wenn Sie gerade im Urlaub, im Krankenhaus oder anderweitig Abwesend sind, gilt die Kündigung mit Einwurf in den Hausbriefkasten als zugestellt.
  • Gesetzliche Kündigungsfristen gelten, wenn Ihr Arbeitsvertrag auf die gesetzlichen Kündigungsfristen verweist. Dann gelten Kündigungsfristen des BGB mit einer Grundkündigungsfrist (vier Wochen zum 15. des Folgemonats oder zum Monatsende) oder der verlängerten Kündigungsfrist (abhängig von der Betriebs- oder Unternehmenszugehörigkeit gelten verlängerte Kündigungsfristen)
  •  Nichtgesetzliche Kündigungsfristen können bei bestimmten Tarifverträgen und einzelvertraglichen  Regelungen gelten. Beispielsweise in Kleinunternehmen mit bis zu 20 Arbeitnehmern, bei die Beschäftigung von Aushilfen von bis zu drei Monaten oder einer vereinbarten Probezeit.
  • Besondere Kündigungsfristen gelten in besonderen Situationen. Besondere Situationen können bspw. sein:  Insolvenz des Arbeitgebers, Ausbildungszeit, Elternzeit, Pflegezeit, Probezeit, Schwangerschaft, Schwerbehinderung.

 

Was ist zu beachten, wenn Sie sich gegen eine Kündigung wehren wollen?

  • Prüfen Sie Ihre Kündigung auf o.g. Punkte. Insbesondere: Einhaltung von Fristen und Formfehler.
  • Erheben Sie innerhalb von drei Wochen ab Zugang der Kündigung Klage beim Arbeitsgericht. Lassen Sie Rechtsunwirksamkeit der Kündigung feststellen.
  • Falls Sie die Klagefrist versäumt haben (bspw. durch Urlaub, Krankheit …), können Sie beim Arbeitsgericht einen Antrag auf nachträgliche Zulassung der Klage stellen. Diese hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn Sie trotz zumutbarer Sorgfalt die Klagefrist versäumt haben!
  • Besprechen Sie mit einem Fachanwalt Ihre Möglichkeiten. Eventuell  haben Sie Anspruch auf eine Abfindung oder können auch ohne einen Anspruch eine Abfindung erhalten. Denn in den meisten Fällen kommt eine Abfindungszahlung aufgrund eines Vergleichs zustande. Meist droht der Arbeitnehmer  mit einer Kündigungsschutzklage, auf die er i.d.R verzichtet um stattdessen einen bestimmten Betrag als Abfindung auszuzahlen. Als Faustformel können Sie mit einem halben Monatsgehalt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit rechnen, insoweit gibt es aber erhebliche Abweichungen je nach Größe des Betriebes und den Chancen, die die Kündigung bei einer richterlichen Überprüfung hat .