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Arbeitnehmer sichern sich bei Personalgesprächen häufig mehreren Personen gegenüber, die den Arbeitgeber vertreten: Leiter oder Mitarbeiter der Personalabteilung, Geschäftsführer, Vorgesetzter. Wenn ein Betriebsrat in dem Unternehmen nicht besteht, hat der Arbeitnehmer auch keinen Rechtsanspruch, eine Person seiner Wahl hinzuzuziehen. Das führt häufig zu Beweisnachteilen über den Inhalt des Gespräches, wenn der Arbeitnehmer keinen Zeugen auf seiner Seite hat. In dieser Situation ist die Versuchung groß, das Gespräch auf einem mitgebrachten Smartphone unbemerkt aufzunehmen. Davon ist dringend abzuraten: Nicht nur das Landesarbeitsgericht Hessen, sondern auch andere Arbeitsgerichte sehen darin einen Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht der anderen Gesprächsteilnehmer. Ob der Verstoß dann eine Kündigung rechtfertigt, hängt noch von anderen Umständen in der Person des Arbeitnehmers ab (Dauer der Betriebszugehörigkeit, sonstige Führung im Betrieb, frühere Abmahnungen etc.)

Tipp: wenn der Arbeitgeber weigert, eine Begleitperson des Arbeitnehmers zum Personalgespräch zuzulassen, kann der Arbeitnehmer erklären, dass er dann keinerlei Erklärungen abgibt, sondern nur zuhört.

Wenn klar ist, dass es in dem Personalgespräch um eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Kündigung oder Aufhebungsvertrag geht, ist der Arbeitnehmer nicht zur Teilnahme verpflichtet. Nach dem Bundesarbeitsgericht ist der Arbeitnehmer nicht verpflichtet, an einer nachteiligen Veränderung seiner Arbeitsbedingungen mitzuwirken.

LAG Hessen,Urteil vom 23.08.2017, 6 Sa 137/17:

Der heimliche Mitschnitt eines Personalgesprächs ist grundsätzlich geeignet, sowohl eine ordentliche verhaltensbedingte als auch eine außerordentliche Kündigung „an sich“ zu rechtfertigen. Maßgebend ist die mit diesem Verhalten verbundene Verletzung der dem Arbeitnehmer nach § 241 Abs. 2 BGB obliegenden Pflicht zur Rücksichtnahme auf die berechtigten Interessen des Arbeitgebers. Das heimliche Mitschneiden des Gesprächs durch den Arbeitnehmer ist rechtswidrig, weil aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht auch das durch Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 2 GG gewährleistete Recht auf die Wahrung der Unbefangenheit des gesprochenen Wortes folgt. Grundsätzlich darf jedermann selbst und allein bestimmen, wer sein Wort aufnehmen soll sowie ob und von wem seine auf einen Tonträger aufgenommene Stimme wieder abgespielt werden darf.